Sie sind hier: Aktuelles
Samstag, 08. Oktober 16 um 15:10 | Von: Fabian Müller

„Wir haben das Übungsziel definitiv erfüllt!“

Am vergangenen Montag (03.10.2016) probten drei Einsatzeinheiten des DRK Rhein Sieg auf dem Betriebsgelände des Windecker Bauhofes den Ernstfall
Eintreffen der letzten Einsatzeinheit

Irgendwann im Laufe der Feier eskaliert die Lage, dabei hatte es eigentlich doch ganz harmlos begonnen: 60 junge Menschen haben sich auf dem Windecker Bauhof zusammengefunden – und eine große Party organisiert. Die Wahl der Location ist ungewöhnlich, schließlich ist der Bauhof üblicherweise keine Feierstätte, außerdem ist die Party weder angemeldet noch genehmigt. Die jungen Leute stört das nicht, sie feiern trotzdem ausgelassen, grillen und tanzen – auch stehen ein paar Zelte für die Übernachtung bereit. Die Feierlaune findet jedoch ein jähes Ende, als plötzlich eine Schlägerei unter von Alkohol und Drogen enthemmten Partyteilnehmern ausbricht. Wanderer alarmieren die Polizei, die zwar den Streit schlichten kann, gleichzeitig aber auch viele panische, alkoholisierte und verletzte Personen vorfindet. Ein klarer Fall: Die Einsatzkräfte des DRK müssen anrücken.

Was sich nach einem wahren Horrorszenario anhört, ist die inszenierte Ausgangslage der DRK Rhein-Sieg Übung „Hohes Wäldchen 2016“. Teilnehmer sind alle drei Einsatzeinheiten des DRK-Kreisverbandes – sie setzen sich jeweils aus Sanitäts-, Betreuungs-, Technik- und Führungstrupp zusammen – und sollen im Ernstfall flexibel für Zwecke des Katastrophenschutzes eingesetzt werden.

Der Zweck der Vollübung auf dem Windecker Bauhof

Nachalarmierung der zweiten Einsatzeinheit

„Es ist wichtig, die aktuellen Ausbildungskonzepte im Rhein-Sieg-Kreis regelmäßig in Vollübungen zu trainieren und zu überprüfen“, erklärt Thomas Wulfhorst, Beauftragter des Sanitätsdienstes des DRK Rhein Sieg und Mitglied der Übungsleitung. „Wir möchten mit dieser Übung bewusst das Zusammenführen der Einsatzeinheiten, deren Mitglieder aus dem gesamten Kreisgebiet stammen, und das gemeinsame Anrücken im Marschverband üben“. Außerdem sollten die Rotkreuzler auch die Anwendung medizinischer Versorgung auf Sanitäts- bzw. Rettungshelferniveau proben, so der DRKler. „Führungs-, und Einsatzstellenorganisation sowie die Nutzung der vorhandenen Funk- und Kommunikationsmittel sollen die Übungsteilnehmer genauso proben wie die Raumordnung“, erklärt er. Im Fokus ständen daher die Einrichtung einer Patientenablage und einer Unfallhilfsstelle.

Neben den 90 Kräften der drei Einsatzeinheiten sind auch die Übungsleiter, Beobachter sowie 60 Verletzten- und Betroffenendarsteller direkt in die Übung eingebunden – außerdem unterstützt die freiwillige Feuerwehr der Gemeinde Windeck die Durchführung des Szenarios. So sind insgesamt rund 170 Personen an der Großübung beteiligt.

Das Geschehen während des Notfallszenarios

Ein Helfer löscht den Brandherd

Die Einheit Technik und Sicherheit ist schon vor Beginn der Übung auf dem Gelände, auch die Verletzen- und Betroffenendarsteller sind auf vier Einsatzstellen verteilt. Möglich machen das auch die beiden ATVs – extrem geländegängige Kleinfahrzeuge -, die das Unternehmen Jola-Rent dem DRK Rhein Sieg für die Übung zur Verfügung gestellt hat. Sie werden zur Verteilung von Material auf dem Gelände genutzt – das Gefälle auf den Plateaus des Steinbruchs erschwert den Einsatz regulärer DRK-Fahrzeuge. Ebenso wird ein Steiger der Firma Dieter Dülsner Dienstleistungen zentral auf dem Übungsgelände platziert – er wird im weiteren Verlauf der Übung Aufnahmen aus der Vogelperspektive ermöglichen.

Gruppenführer Marco Hörnke gehört zu der 33 DRKler starken Einsatzeinheit, die ab 10:00 Uhr und somit als erste auf dem Bauhof eintrifft: Schon von weitem sieht er eine Rauchsäule. Kaum ist sein Wagen zum Stehen gekommen, eilt er mit zwei Sanitätshelfern in Richtung der ersten Unglücksstätte. „Ich sehe vier Personen, zwei weisen offensichtliche Verletzungen auf“, ruft er den Sanitätsdiensthelfern zu. „Außerdem brennt ein Grill“ – die Quelle der Rauchsäule ist gefunden. Er fordert die zwei Unverletzten auf, die Gefahrenzone zu räumen, dann gibt er einem Helfer Anweisung, die Flammen zu löschen. Mit dem verbleibenden DRKler macht er sich nun daran, die Verletzten zu bergen. Vier Personen sind nun in Sicherheit.

Schnell werden die Feuerwehr und eine zweite Einsatzeinheit nachalarmiert, dann beginnt eine strukturierte Erkundung des Geländes durch die Rotkreuzler. Als schließlich an mehreren Einsatzorten Sanitätsdienst- und Betreuungshelfer benötigt werden, wird die dritte Einsatzeinheit zusammen mit mehreren Krankentransportwagen alarmiert. Parallel dazu bauen die Rotkreuzler zwei Anlaufstellen und eine strukturierte Patientenablage im Areal auf, außerdem beginnen DRKler des Kreisauskunftsbüros Helfer, Verletzte und Betroffene zu registrieren.

Fazit: Ziel vollständig erfüllt, Verbesserungsbedarfe erkannt

Die strukturierte Patientenablage

Gegen 14:00 Uhr haben die Einsatzkräfte die Lage schließlich erledigt, alle Betroffenen betreut und die Verletzten bereitgemacht für den Abtransport.

„Das Übungsziel ist definitiv erfüllt“, stellt Übungsleiter Wulfhorst abschließend fest. „Eines ist jedoch viel wichtiger: Wir wissen jetzt, wo noch Schulungsbedarf bei Führungskräften und Helfern unserer Einsatzeinheiten besteht“, so der DRKler, „diesem werden wir im Verlauf diesen und auch im nächsten Jahr definitiv nachkommen.“